Aus dem "Westallgäuer" von Karin Grunwald

Ein Familientyrann besinnt sich
Neues Stück wie geschaffen für die "Junge Bühne" -
Drei Vorstellungen am Wochenende

 

Lindenberg – Viel zu lachen gab es für die Zuschauer bei der Premiere der "Jungen Bühne". Das Lustspiel von Bernd Gombold "Der Tyrann" schien wie geschaffen für das Team der Jungen Bühne.

Da ist einmal der Bürgermeister, der sich wie ein Macho aufführt und seine gesamte Umgebung schikaniert. Sein 50. Geburtstag soll zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Und das wird er auch, allerdings anders, als das Geburtstagskind sich das vorstellt.
Daß Tochter Lisa sich ausgerechnet mit dem Sohn seines Erzfeindes verheiraten will, bringt den "Tyrannen" völlig auf die Palme. Doch damit ist bei seiner Frau und Tochter die Grenze der Duldsamkeit erreicht. Als Lisa zufällig von einem "unvergesslichen Jugenderlebnis" ihres Vaters in Saudi Arabien erfährt, sieht sie eine Chance, mit einer ausgeklügelten Intrige der Tyrannei ihres Vaters ein Ende zu bereiten.

Als ein "Scheich" auftaucht, der sich als Sohn aus der früheren Liebesbeziehung des Bürgermeisters ausgibt, beginnt das Verwirrspiel, das alle menschlichen Schwächen bloßlegt und für viel Heiterkeit beim Publikum sorgt. Besonders falsche Schlüsse, die die Putzfrau aus erlauschten Gesprächen zieht, sorgen für Dramatik und urkomische Situationen.

Siegfried Kistler spielte gelungen die Verwandlung vom tyrannischen und eitlen Bürgermeister hin zum verzweifelten und endlich erleichterten und liebevollen Familienvater. Gisela Baum als seine Ehefrau dokumentierte mit zunehmendem Engagement die umgekehrte Entwicklung, von der unterdrückten zur emanzipierten Frau, die zeigt, wer die Hosen anhat.

Frech und hintersinnig

Neuzugang Yvonne Goltz spielte frech und hintersinnig die Tochter, die sich erfolgreich zur Wehr setzt und ihr Ziel erreicht. Köstlich Frank Henn als Scheich und Klaus Übelhör als Haremsdame. Hans Forster als trotteliger und doch gewitzter Freund Hoher ergänzt das Ensemble.

Den Vogel abgeschossen hat Luise Peinze als Putzfrau, die neugierig immer dann zur Stelle ist, wenn es gerade am wenigsten passt. Hier konnte Luise Peinze ihre schauspielerischen Fähigkeiten ausspielen. Überzeugend, mit ausdrucksstarker Mimik und akzentuierter Sprache stellte sie die Putzfrau dar, die sich einerseits dem Bürgermeister verbunden fühlt, andererseits aber der Macht des "lnformationsträgers" erliegt.

Es war ein Stück so recht nach dem Herzen des Publikums, das voll mitging und auch mehrmals Szenenapplaus spendete. Die zahlreichen Gags und witzigen Dialoge sorgten für eine kurzweilige Veranstaltung. Mit dieser Aufführung konnten die beiden Regisseure Klaus Übelhör und Siegfried Kistler einen vollen Erfolg verbuchen. Anteil an der gelungenen Premiere hatten auch Ilona Wegner (Bühnenbau), Gabi Pfau (Maske) und Petra Röck und Franziska Vossenkuhl als Souffleusen.

Die nächsten Aufführungen gibt es am Freitag, 17. Oktober, Samstag, 18. Oktober, und Sonntag, 19, Oktober, jeweils um 20 Uhr im "Löwen "-Saal Lindenberg.


Aus dem "Westallgäuer" von Prisca Satzger

Regiestreß für einen Schauspieler
Junge Bühne probt erstmals unter der Regie von Klaus Übelhör

Lindenberg – "Na, na. Stop. Noch einmal." Klaus Übelhör fuchtelt energisch mit den Händen in der Luft und unterbricht die Probe: "Nicht so lasch! Denke dran, daß du richtig wütend bist." Der Szene wird noch der letzte Schliff gegeben. Seit Ostern laufen die Proben der "Jungen Bühne" für das neue Lustspiel "Der Tyrann". Und zum ersten Mal sitzt Klaus Übelhör im Regiestuhl.

"Ich kam zur Regie wie die Jungfrau zum Kind", erzählt Klaus Übelhör lachend. Der leidenschaftliche Schauspieler vertritt in diesem Jahr Manuela Küther, die aus gesundheitlichen Gründen erst einmal pausieren mußte. "Es ist schon ein arg komisches Gefühl, auf einmal vor der Bühne zu stehen", sagt er. "Man hat da plötzlich einen ganz anderen Blickwinkel."

Fingerspitzengefühl

"Als Regisseur muß man enormes Fingerspitzengefühl für die Schauspieler entwickeln", erklärt dazu Gabi Pfau, Vorsitzende der Jungen Bühne. "Aber die starke Verbundenheit innerhalb unserer Gruppe hat mir dabei sehr geholfen", betont Klaus Übelhör.

Trotz der neuen Aufgabe vor der Bühne, hat er in diesem Jahr auch auf der Bühne wieder einiges zu sagen. "Mein Herz schlägt eben immer da oben", sagt er mit leuchtenden Augen. "In erster Linie bin ich Schauspieler. Das will ich bleiben." Trotz "Regiestreß" habe er eine Rolle übernommen. Denn vom Theaterspielen könne er einfach nicht genug kriegen. Zweimal in der Woche probt die "Junge Bühne" in der alten Stadthalle. Ganz nebenher spielt Klaus Übelhör auch noch in Simmerberg und in Oberreute begeistert mit. "Wenn es wirklich zuviel wird, protestiert schon meine Familie", ist er sich sicher.

Intrigant und böse

Auch für Yvonne Goltz ist aller Anfang schwer. Sie spielt zum ersten Mal bei der, "Jungen Bühne" mit. Der Neuzugang hat bereits etwas Theatererfahrung. "Im Schultheater hatte ich sogar einmal eine Hauptrolle", berichtet sie. Bei den Proben habe sich die Nervosität schnell gelegt. Aber: "Die kommt dann sicher bei der Aufführung", befürchtet die 26jährige.

Im Stück mimt Yvonne Lisa Babel, die Tochter des Bürgermeisters. Welche Unterschiede gibt es eigentlich zwischen Yvonne Goltz und Lisa Babel? Wie aus der Pistole geschossen antwortet sie da: "Die Lisa ist intrigant und manchmal böse. So bin ich sicher nicht."

Manuela Küther beobachtet derweil ein bisschen wehmütig die Proben. "Wenn ich das so sehe, kribbelt es mir schon in den Fingern", verrät sie. Doch nicht nur auf ihre Regisseurin muss die Theatergruppe heuer verzichten.

Auch Fini Merkt wird wider Erwarten nicht mit von der Partie sein. "Wir sind dieses Jahr schlecht besetzt und fanden dann leider kein passendes Stück mit einer Rolle für Fini", bedauert sie.

Die "Junge Bühne" feiert am Samstag, 11. Oktober, Premiere. Bereits um 14.30 Uhr findet im "Löwen"-Saal eine kostenlose Seniorenvorstellung statt. Um 20 Uhr hebt sich dann der Vorhang an diesem Tag ein zweites Mal. Weitere Vorstellungen finden statt: Am Sonntag, 12. Oktober, Freitag, 17. Oktober, Samstag, 18. Oktober, und Sonntag, 19. Oktober, jeweils um 20 Uhr im "Löwen"-Saal in Lindenberg. Der Kartenvorverkauf im Lindenberger Verkehrsamt beginnt am Montag, 29. September.



 

 

   
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